Kehldeckelentzündung – Epiglottitis

Kompetenzzentrum für HNO Berlin informiert: Kehldeckelentzündung – Epiglottiti

Definition Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

HNO-Arzt Berlin führt eine Spiegeluntersuchung durch

Der Kehldeckel ist der Bestandteil des Kehlkopfs, der beim Schluckvorgang den Kehlkopf „automatisch“ schließt, und so verhindert, dass Nahrung in den Kehlkopf und damit in die Atemwege eindringt. Die Nahrung wird somit bei geschlossenem Kehldeckel in die Speiseröhre geleitet. Kommt es zur Entzündung des Kehldeckels, schwillt dieser massiv an, der Atemweg wird eingeengt und es kommt zu einer gefährlich fortschreitenden Atemnot. Der HNO-Arzt unterscheidet präzise Schwellungen im Kehlkopfbereich mit oder ohne (massive) Entzündung.

Synonyme und artverwandte Begriffe

Epiglottisödem (nicht entzündliche Schwellung des Kehldeckels), Larynxödem (Schwellung im Kehlkopf), Epiglottisabszess (Eiteransammlung im Kehldeckelbereich), Einengende Kehlkopf-Luftröhren-Entzündung (subglottische Laryngo-Tracheitis = Pseudo-Krupp), Diphtherie (alle artverwandt)
Englisch: Epiglottitis, epiglottis inflammation

Überblick Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) kommt meist bei kleineren Kindern vor, der Zustand des Patienten kann sich innerhalb weniger Stunden fulminant verschlechtern. Der Erkrankte bemerkt ein schmerzhaftes Fremdkörpergefühl im Hals, Abgeschlagenheit und bekommt (hohes) Fieber, rasch zunehmende Schluckbeschwerden, stark erhöhten Speichelfluss und eine raue und kloßig klingende gepresste Sprache. Das Sprechen und Schlucken fällt sehr schwer. Die Einatmung verschlechtert sich zunehmend, es kommt zu gefährlicher Atemnot. Das Kind ringt um Luft.
Schwellung im Kehlkopf: dieselben Beschwerden – Fieber und Schmerzen jedoch gering ausgeprägt. Ein- und Ausatmung erschwert.

Ursachen der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) ist meist bakteriell verursacht, wobei vermutlich Viren zunächst vorschädigend wirken.

Handelt es sich um eine nicht-entzündliche Schwellung, so liegt ein Kehlkopfödem vor. Dessen Ursachen können Insektenstiche (verschlimmert durch Allergien) sein.

Zahlreiche weitere Ursachen sind bekannt.

Was Sie bei einer Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) selbst tun können

Kontaktieren Sie sofort Ihren Arzt, wenn

– sich aus Halsbeschwerden eine Atemnot entwickelt. Bei Kindern liegt dann immer ein Notfall vor, der in kürzester Zeit lebensbedrohlich werden kann. Aus diesem Grunde ist eine stationäre Überwachung erforderlich.

Bei rapider Verschlechterung der Atmung und des Allgemeinzustands rufen Sie den Notarzt.

Beruhigen Sie den Patienten und lassen Sie ihn bei Atemnot die Körperhaltung einnehmen, die ihm am angenehmsten ist. Eine nicht zu stark kühlende Eiskrawatte kann eine weitere Anschwellung des Gewebes verzögern.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt für HNO eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedenen Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Hals-, Nasen-, Ohrenarzt
  • Allergologe
  • Kinderarzt (Impfung)
  • Internist
  • Radiologe

Was Sie bei Ihrem Arzt für HNO erwartet?

Bevor Ihr HNO-Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen, wie beispielsweise Atemnot, Heiserkeit, Husten, Fieber etc.?
  • Litten Sie bereits schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Ihr HNO-Arzt benötigt eine Übersicht über Arzneimittel, die Sie regelmäßig einnehmen. Stellen Sie schon vor dem Arztbesuch eine Übersicht über die Medikamente, die Sie einnehmen, in einer Tabelle zusammen. Einen Medikamentenplan zum ausfüllen finden Sie hier.

Untersuchungen (Diagnostik) durch den HNO-Arzt Berlin

Ausgehend von Ihrer in der vorausgegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der HNO-Arzt nun folgende Diagnostik anwenden:

Heiserkeit, Halsschmerzen, Missempfindungen im Mund-Rachen-Bereich erfordern eine komplette Untersuchung des Halses, der Nase und der Ohren, um das Beschwerdebild einzugrenzen.

HNO-Arzt Berlin führt eine Ultraschalluntersuchung durch

Der Kehlkopf und die tieferen Abschnitte des Rachens werden zunächst vom HNO-Arzt mit einem angewärmten Kehlkopfspiegel untersucht. Es folgt eine minutiöse Inspektion mit einem starren Lupenendoskop, bei der zuvor erforderlichenfalls die Schleimhaut des Rachens mit einem Spray betäubt wird. Diese Untersuchung kann gelegentlich wegen eines Würgereizes des Patienten erschwert sein. Da diese Inspektion der oberen Atemwege jedoch zwingend erforderlich ist, kann der HNO-Arzt in diesen Fällen  auf ein flexibles (biegsames) Endoskop ausweichen, das, meist nach Oberflächenbetäubung (Einlage eines Wattebausches in die Nase), durch die Nase eingeführt wird und den Blick nach unten freigibt. Bei dieser Untersuchung muss der HNO-Arzt die Zunge mit einem Läppchen fassen und etwas nach vorne ziehen. Der Patient muss zur besseren Einsicht in den Kehlkopf anschließend mehrmals nach Anleitung des HNO-Arztes einen hohen Ton von sich geben.

Blutentnahmen, Ultraschall, Abstriche und eine Abklärung von eventuellen Allergien (Insektengifte) ergänzen die Untersuchung.

In speziellen Fällen kann der HNO-Arzt noch eine stroboskopische Untersuchung, Hochgeschwindigkeitskamera etc. anordnen, um die Funktion der Stimmbänder zu testen.

Unklare Befunde erfordern eine röntgenologische Untersuchung mit CT/Kernspintomogramm.

Achtung: Liegt eine zunehmende Atemnot mit den oben genannten akuten Symptomen vor, so darf insbesondere bei Kleinkindern nur eine (HNO-Fach-)ärztliche Untersuchung der Mundhöhle durchgeführt werden. Unternehmen Sie grundsätzlich keine eigenständige Untersuchung der Mundhöhle (z. Bsp. mit einem Löffelchen). Manipulationen können die Situation dramatisch verschlechtern.

Behandlungen (Therapie)

Eine akute Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) oder eine akute Schwellung im Kehlkopfbereich (Epiglottis- oder Larynxödem) erfordern häufig eine intensiv-medizinische Überwachung. Die Bekämpfung der Atemnot erfolgt mit den jeweils medizinisch erforderlichen Massnahmen (Sauerstoffgaben, Inhalation / Medikamentenverneblung, Einführung eines Beatmungsschlauchs / Intubation, Luftröhrenschnitt). Infektionen werden mit Antibiotika, Schwellungen mit abschwellenden Medikamenten behandelt. Sollte sich im Kehldeckel ein Abszess (Eiteransammlung) entwickelt haben, muss dieser entlastet (gespaltet) werden.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Eine Vorbeugung ist nur bei Insektenstichen möglich. Achten Sie bei Kindern darauf, dass diese nicht aus Flaschen Getränke zu sich nehmen. Benützen Sie immer glasklare Gläser, dort können sie Insekten sehen.

Impfungen gegen Haemophilus Influenza Bakterien (häufiger Verursacher) müssen mit dem für Ihre Impfungen zuständigen Arzt (Hausarzt, Pädiater, Internist) unter Umständen erwogen werden.

Prognose

Eine akute Kehldeckelentzündung heilt bei zügiger Diagnosestellung und konsequenter Behandlung meist folgenlos aus.

© CHHG