Morbus Meniere – Meniere-Krankheit

Kompetenzzentrum HNO Berlin informiert: Meniere – Krankheit (Morbus Meniere)

Definition Morbus Meniere

Der Morbus Meniere ist eine Erkrankung des Innenohres, die nach ihrem Erstbeschreiber – Prosper Meniérè – benannt wurde.

Dem Facharzt HNO wird plötzlicher Drehschwindel gemeldet, der mit starker Übelkeit einhergehen kannBeim Vollbild der Erkrankung kommt es zu plötzlich auftretendem Drehschwindel, einer einseitigen Hörminderung und einem Ohrensausen / Ohrendruck. Da der Schwindel das vorherrschende Symptom darstellt, rechnet der Facharzt für HNO die Erkrankung den Schwindelerkrankungen zu. Typischerweise entwickeln sich die einzelnen Symptome nach und nach in unterschiedlicher Intensität. Ein Beginn der Erkrankung mit der kompletten „Trias“ (Drehschwindel, Hörminderung, Ohrgeräusch) ist selten.

Synonyme und artverwandte Begriffe

Erkrankung des Gleichgewichtsorgans (Vestibularisneuropathie), Bewegungskrankheit (Kinetosen), gutartiger Lagerungsschwindel (benigner paroxysmaler Lagerungsnystagmus)
Englisch: Meniere´s disease

Überblick Morbus Meniere / Meniere-Krankheit

Gemäss Facharzt für HNO hat die Erkrankung einen unabsehbaren Verlauf. Die Schwindelanfälle treten plötzlich auf und kündigen sich bei einigen Patienten mit unspezifischen Symptomen sehr kurzfristig an. Der Schwindel erzeugt Erbrechen, Übelkeit und Schweißausbrüche und kann wenige Minuten bis hin zu Stunden anhalten. Betroffen ist immer nur ein Ohr. Auf diesem Ohr entsteht dann zusätzlich eine unterschiedlich ausgeprägte Hörminderung mit einer Art Völlegefühl des Ohres und ein Ohrgeräusch (Tinnitus), bei dem es im betroffenen Ohr „pfeift“, „rauscht“, „zwitschert“ etc. Alle Symptome können sich anfangs weitest gehend zurückbilden. Bei wiederkehrender Erkrankung muss jedoch mit bleibender Hörminderung und bleibenden Ohrgeräuschen gerechnet werden.

Ursachen

Bei der Meniere´schen Erkrankung entsteht ein Druckanstieg im Gleichgewichts- und Hörorgan des Innenohres. Warum dieser entsteht, ist unbekannt. Der Druckanstieg führt zur Erregung der Innenohrzellen (Zellen des Hörorgans und des Gleichgewichtsorgans) und somit zu den oben genannten Symptomen.

Was Sie selbst tun können?

Die Schwindelanfälle kündigen sich mit nur sehr geringer Vorwarnzeit (Aura) an. Während des Anfalls „hilft“ nur Bettruhe und frühzeitige Einnahme der entsprechenden Schwindelmedikamente. Versuchen Sie, Stresssituationen zu vermeiden. Stress – so wird immer wieder vermutet – soll die Attacken auslösen. Der HNO-Facharzt empfiehlt zudem gesund zu leben (Ernährung, Sport, Schlaf etc.).

Kontaktieren Sie Ihren HNO-Arzt, wenn gelegentlicher allgemeiner Schwindel übergeht in Drehschwindel. Auch bei plötzlicher Hörminderung oder plötzlichem Ohrgeräusch sollten Sie sich als Eilfall Ihrem HNO-Spezialisten vorstellen.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Systematik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem HNO Arzt eine weitere Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • HNO – Facharzt
  • Neurologe
  • Internist
  • Orthopäde

Was Sie bei Ihrem Arzt für HNO erwartet?

Bevor Ihr Facharzt für HNO mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen, wie beispielsweise Heiserkeit, Husten etc.?
  • Litten Sie bereits schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie im Alltag unter Stresszuständen?

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Ihr HNO-Arzt benötigt eine Übersicht über Arzneimittel, die Sie regelmäßig einnehmen. Stellen Sie schon vor dem Arztbesuch eine Übersicht über die Medikamente, die Sie einnehmen, in einer Tabellezusammen. Einen Medikamentenplan zum Ausfüllen finden Sie hier.

Untersuchungen (Diagnostik) durch den HNO-Arzt

Ausgehend von Ihrer in der vorausgegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der HNO-Arzt nun folgende Diagnostik anwenden:

Im akuten Schwindelanfall sind die Untersuchungsmöglichkeiten beschränkt. Die Meniere Erkrankung erfordert nach Abklingen des Schwindels eine komplette Untersuchung der Ohren, der Nase und des Mund-Rachen-Raums, um das Beschwerdebild einzugrenzen:

Im Akutfall werden die Ohren mit einem Ohrmikroskop und einem Ohrtrichter untersucht. Stimmgabeltests dienen einer groben Orientierung des Hörproblems.

Bei einseitigen Problemen eines Gleichgewichtsorgans kommt es zu einem „Augenflattern“ (Nystagmus in eine bestimmte Richtung). Um dieses festzustellen, dürfen die Augen keinen bestimmten Punkt fixieren, sie werden deshalb mit einer Spezialbrille (Frenzel-Brille) an der Fixierung eines bestimmten Punktes gehindert. Fällt diese Fixierung aus, so beginnen die Augen hin und her zu zittern, der Nystagmus wird nachweisbar. Mit Besserung des Schwindels verschwindet auch der Nystagmus. Weitere Tests runden die Schwindeldiagnostik ab (Steh- oder Gehversuche etc.)

Es folgt die Untersuchung des gesamten HNO-Bereichs im beschwerdefreien Intervall:
Verschiedene Hörtests weisen den Schweregrad der Hörminderung auf und geben erste Hinweise auf den Ort der Schädigung. Mit Warm- und Kaltwasserspülungen in den Gehörgang hinein wird seitengetrennt getestet, ob das Gleichgewichtsorgan normal erregbar, d. h. funktionstüchtig ist. Ein Computertomogramm oder Kernspintomogramm dient der exakten Darstellung aller Strukturen des Mittel- und Innenohres und soll einen gutartigen Tumor des inneren Gehörgangs (Akustikusneurinom) ausschließen.

Behandlungen

Während einer akuten Schwindelattacke gibt es Schwindel dämpfende Medikamente – oral oder i. v. Es ist Bettruhe einzuhalten und bei starkem Erbrechen auf ausreichenden Flüssigkeitsersatz zu achten. Da oft erhebliche Angst besteht, muss diese per Zuspruch oder medikamentös behandelt werden.

Im Intervall können in Rücksprache mit Ihrem HNO-Arzt Schwindel dämpfende und Angst lösende Medikamente verabreicht werden.

Die Durchführung operativer Massnahmen erfordert eine besonders strenge Indikationsstellung und ist schweren Krankheitsverläufen vorbehalten.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Achten Sie auf eine gesunde Lebensführung und versuchen Sie, die Angst vor einem Schwindelanfall nicht Überhand nehmen zu lassen. Wird die Angst zu groß, so können Sie auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ihr HNO-Arzt wird Ihnen weiterhelfen.

Prognose

Die Prognose im Einzelfall ist auf Grund der unberechenbaren Schwindelanfälle unmöglich. Bei bestimmten Berufen, in denen der Gleichgewichtssinn von herausragender Bedeutung ist (Dachdecker, Busfahrer), kann ein vorübergehendes oder dauerhaftes Berufsverbot ausgesprochen werden.

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